Soziales

Mental Health Start-Up leistet kostenlose, psychologische Erste Hilfe für ukrainische Geflüchtete

Seit Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine erleben wir mitten in Europa die am schnellsten wachsenden Flüchtlingskrise seit dem Zweiten Weltkrieg. Zerbombte Wohnhäuser, heulende Sirenen, düstere Schutzkeller – teilweise ohne Strom und Wasser, und die Flucht ins Ungewisse von Millionen von Menschen. Sie müssen ihr Leben aus einem Provisorium neu errichten, mit unklarem Ausgang und drängenden Fragen an die Gegenwart und die Zukunft. Wo befinden sich nahestehende Verwandte und Freunde? Wie kann ich sie erreichen? Werde ich meine Familie in Deutschland versorgen können? Solche Erlebnisse hinterlassen oft tiefe Spuren in der Psyche der Betroffenen: Sie werden von vielen als traumatisierend erlebt.

Kölner Mental-Health Start-Up startet Projekt „Mental Help for Ukraine“

Durch den Krieg in der Ukraine finden wir uns plötzlich an vorderster Front einer sich entwickelnden Krise der psychischen Gesundheit wieder. Das Kölner Start-Up für psychische Gesundheit doQtor hat daher das Projekt „Mental Help for Ukraine“ ins Leben gerufen, das psychologische Erste Hilfe für Geflüchtete mit lokalen PsychologInnen und psychologischen FachberaterInnen leistet. Die digitale Plattform von doQtor unterstützt die Geflüchteten dabei, in ihrer belastenden Situation eine passende psychologische Hilfe zu finden. Geflüchtete UkrainerInnen können auf der Webseite doQtor.de nicht nur Informationen rund um das Thema in ukrainischer oder englischer Sprache herunterladen, sondern sich auch direkt online einen Gesprächstermin buchen. Das doQtor Team vermittelt dann die belasteten Menschen an psychologisch geschultes Personal mit ukrainischen oder russischen Sprachkenntnissen, aktuell vorwiegend im Rheinland und im Raum Köln. Der kostenlose Vermittlungsservice wird in Kürze deutschlandweit ausgerollt.

Geflüchtete Ukrainerin leitet das Projekt

Eine Mitarbeiterin aus dem doQtor-Team hatte über 15 Jahre lang jeden Sommer ein ukrainisches Gastkind bei sich in der Familie, Yuliia Duliepa aus Kiew – heute 21 Jahre alt, von Beruf Übersetzerin für Deutsch und Englisch. Nach Kriegsausbruch vor über vier Wochen hat es Yuliia unversehrt bis an die polnische Grenze geschafft, wo ihre ehemalige deutsche Gastfamilie sie erneut, diesmal aber unter ganz anderen Umständen, in Empfang nehmen und nach Deutschland bringen konnte.

„Yuliia hat bei uns Hilfe gesucht und unserem Team berichtet, wie stark traumatisiert die Geflüchteten sind, wie sehr es sie zerreißt, nicht zu wissen wie es ihren Verwandten geht, die sie zurücklassen haben müssen. Aus den Gesprächen mit Yuliia entstand die Idee, unsere digitale Plattform, die wir Unternehmen für ihre Mitarbeiter in psychosozialen Fragen zur Verfügung stellen, so anzupassen, dass wir damit Geflüchtete schnell und unbürokratisch unterstützen und sie in professionelle, psychologische Unterstützung bringen können“, erklärt doQtor-Gründer Benjamin Schwarz.

Yuliia ist nun festes Teammitglied bei doQtor, sie leitet jetzt das Projekt „Mental Help Ukraine“ und steht als erste Ansprechpartnerin für Hilfesuchende zur Verfügung. Sie sagt: „Für mich ist es so wichtig, hier eine Aufgabe zu haben und meinen Landsleuten zu helfen.“

Das Start-Up doQtor ist auf weitere professionelle Unterstützung angewiesen, es wird deutschlandweit weiteres psychologisch geschultes Personal mit entsprechenden Sprachkenntnissen benötigt. Wer bereit ist, zu helfen, kann sich jederzeit über die Website melden.

https://www.doqtor.de/ukraine

Über doQtor:

doQtor ist eine digitale Plattform für Unternehmen, die ihren Mitarbeitern einen umfassenden Service in psychosozialen Belastungssituationen bieten wollen. Nach einer digitalen Erstberatung organisiert das Start-Up einen schnellen Therapieeinstieg, vermittelt an psychologische Fachberatungen vor Ort und überbrückt die Zeit bis zum Therapiestart sinnvoll, mit weiteren Alternativen. Das 12-köpfige Team besteht aus PsychologInnen, Fachkräften der Familien- und Berufsberatung und des Gesundheitsmanagements. Allesamt bringen einen großen Erfahrungsschatz mit und sind in der Begleitung von psychosozialen Belastungen geschult. doQtor ist deutschlandweit und für Unternehmen jeder Größe verfügbar. Zu Kriegsbeginn im März 2022 rief das Start-Up das Projekt „Mental Help for Ukraine“ ins Leben, das psychologische Erste Hilfe für Geflüchtete leistet. Gründer Benjamin Schwarz hat die doQtor GmbH im Jahr 2020 ins Leben gerufen. Das Kölner Gesundheits-Start-Up ist gesellschafterfinanziert und wird durch das Gründerstipendium NRW gefördert.

hfs/re/ots/dpa/tt

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