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WDR: Schlanker, stärker, digitaler in die Zukunft

VonHFS24 TV

Sep. 25, 2026
WDR: Schlanker, stärker, digitaler in die Zukunft

Die Geschäftsleitung des WDR will weitreichende Maßnahmen ergreifen, um den Sender besser für die Zukunft aufzustellen und noch mehr Menschen zu erreichen, insbesondere über die digitalen Ausspielwege. Dafür fokussiert der WDR sein Angebot und verlagert Ressourcen stärker ins Digitale. Zudem plant er, Strukturen in Programm, Produktion und Technik sowie Verwaltung neu auszurichten und Personalkosten zu reduzieren, u.a. indem jede dritte durch Verrentung freiwerdende Stelle bis 2030 nicht neu besetzt werden soll.

WDR-Intendantin Dr. Katrin Vernau: „Die Mediennutzung verändert sich rasant, unsere Finanzierung ist ungewiss, unsere Kosten steigen. Gleichzeitig benötigen wir mehr Mittel für digitale Angebote – während derzeit noch gut drei Viertel unserer Ressourcen im klassischen linearen Programm gebunden sind. Deshalb müssen wir jetzt handeln und Tempo machen. Unser Ziel: Wir wollen die digitale Heimat aller Menschen im Westen sein.“

Der Handlungsbedarf steigt, da nach einer aktuellen Prognose der Zeitpunkt unmittelbar bevorsteht, zu dem die Nutzung von nonlinearen Video-Inhalten erstmals höher sein wird als die lineare Nutzung. Das heißt, der sogenannte Kipppunkt in der Mediennutzung kommt früher als bisher angenommen. Diese Entwicklung führt dazu, dass der WDR immer weniger Menschen über die linearen Angebote erreicht.

„Unsere Reichweite sinkt zwar, aber gleichzeitig halten uns die Menschen laut der ARD-Akzeptanzstudie für wichtig – und für immer wichtiger. Denn diese Werte steigen. Und das auch bei den Jüngeren: 78 Prozent der 14- bis 29-Jährigen finden uns „wichtig für die Gesellschaft“. Das ist ein Zuwachs von zehn Prozentpunkten in drei Jahren. Für mich zeigt das deutlich: Die Menschen wollen einen starken öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der Demokratie und Gesellschaft stärkt und schützt”, so Dr. Katrin Vernau. Die Menschen würden zunehmend den Wert von glaubwürdiger Information sehen, von respektvollem Austausch, von Inhalten, die unterhalten, bilden, positive Emotion und Gemeinschaftsgefühl erzeugen: „Aber wir müssen die Menschen mit unseren Inhalten besser erreichen, und dafür müssen wir uns im Digitalen noch besser aufstellen.“

Fokussiertes Programmportfolio

Bereits im Frühjahr hatte der WDR entschieden, sein Programmportfolio von heute etwa 600 auf 300 Angebote im Jahr 2030 zu reduzieren, bis zu 100 Angebote sollen dabei neu entwickelt werden.

Diese Programmangebote setzen den Fokus klar auf die digitale Nutzung: u.a. mit Informationen aus und für NRW und mit dokumentarischen und unterhaltenden Formaten, die ARD Sounds und die ARD Mediathek weiter stärken sollen. So werden zum Beispiel Formate wie „Deutschland, ich küss‘ dein Herz – mit Tahsim Durgun”, „Draußenpolitik” mit Louis Klamroth oder die Dokusoap „Motsi & Oti – Meet the Mabuses” angeboten, um Menschen zu erreichen, die den WDR aktuell noch wenig nutzen. Weitere digitale Formate wie beispielsweise ein Geschichtspodcast und digitale Auslandsangebote sollen entwickelt werden, um dem Bedürfnis nach vertiefenden Informationen nachzukommen.

Seine regionale Berichterstattung baut der WDR auf allen relevanten digitalen Kanälen aus. Regionale Inhalte werden prioritär für Web, App und Social Media konzipiert, produziert und veröffentlicht. Der WDR plant, Themen, Ressourcen und Produktionsprozesse in der Region noch stärker darauf auszurichten. Dazu gehört auch, dass das Angebot im Regionalsport auf wdr.de und in der WDR App ausgebaut wird. Etwa im Fußball – in dieser Saison kommen allein acht von 20 Vereinen der 3. Liga aus Nordrhein-Westfalen – aber auch Regionalsport abseits vom Fußball hat hier künftig einen Platz.

Mit dem angepassten Programmportfolio will der WDR u.a. Doppelungen im ARD-Angebot vermeiden, mit Dokus die ARD Mediathek stärken und sich im Linearen auf die Primetime konzentrieren.

Auch bei der Reduzierung der Programmangebote beginnt nun die Umsetzung: In einem ersten Schritt werden 76 Angebote eingestellt. Es handelt sich um lineare und auch digitale Angebote, die ihre Zielgruppe nicht gut genug erreichen oder die nicht zu den strategischen Schwerpunkten des WDR gehören. Zu den Angeboten, die wegfallen, zählen etwa das Magazin „Frau tv” im WDR Fernsehen, die WDR 4-Sendung „Satire am Sonntag“ sowie verschiedene Begleitangebote im Web. Einige Angebote, darunter „Erlebnis Erde“, werden komplett ins Digitale verlagert, die Ausstrahlung im WDR Fernsehen entfällt. Auch digitale Angebote wie „studio M”, „Lisas Paarschitt” und „Doc Esser” (Podcast/Website und Facebook) werden beendet. Die Entscheidung, welche Angebote im nächsten Schritt eingestellt werden, soll im Frühjahr 2027 fallen.

„Die Bedürfnisse der Menschen, ihr Nutzungsverhalten und unser Programmauftrag bestimmen den Wandel in allen Bereichen“, so Dr. Katrin Vernau. „Im Programm setzen wir Prioritäten und schaffen damit Raum für Neues. Wir geben mehr Kraft in weniger und dafür stärkere Angebote. Angebote, die die Menschen so nur bei uns finden.“

Veränderungen auch in Produktion, Technik und Verwaltung

Prozesse in Produktion, Technik und Verwaltung sollen innerhalb der ARD künftig stärker standardisiert, gebündelt und zentralisiert werden. Bis 2030 plant der WDR, rund 20 Prozent der Stellen aus klassischen Produktionsbereichen in technologieorientierte Aufgabenfelder zu verlagern. Ziel ist es auch hier, digitale Angebote weiter auszubauen und ihre Auffindbarkeit für die Nutzenden in der digitalen Welt zu verbessern. Gleichzeitig setzt der WDR in der Eigenproduktion gezielt Schwerpunkte und Produktionsstandards und orientiert sich dabei konsequent an der Programmstrategie. Dazu zählen u. a. die Umsetzung der Infostrategie für NRW und der ARD SportHub. Dies bedeutet auch, dass der WDR im Bereich Doku und Unterhaltung noch stärker auf externe Produktionsfirmen und Dienstleister setzen wird.

Der Technologiebereich wird weiter ausgebaut und gestärkt – sowohl für die Anforderungen des WDR als auch in der Zusammenarbeit innerhalb der ARD. Der WDR übernimmt dabei unter anderem eine führende Rolle in den Bereichen Distribution und Künstliche Intelligenz und beteiligt sich maßgeblich an der Entwicklung des gemeinsamen technologischen Plattformsystems der ARD. Neben den ARD- Angeboten werden im Rahmen der Infostrategie für NRW gezielt die eigenen Web-/App-Angebote des WDR optimiert und ausgebaut. Angebote sollen leichter auffindbar und regionale Informationen auf digitalen Plattformen noch schneller verfügbar gemacht werden. Gleichzeitig werden Produktionsstrukturen gebündelt. So soll mittelfristig die Anzahl der Regien und Studioflächen im WDR reduziert werden.

Bis Ende 2028 reduziert der WDR auch seine genutzten Büro- und Produktionsflächen um rund 100.000 Quadratmeter gegenüber 2017 und senkt damit Fixkosten für die Infrastruktur. Vergleichbare Verwaltungsleistungen werden innerhalb der ARD arbeitsteilig organisiert, Prozesse automatisiert und standardisiert. Dadurch will der WDR bis 2036 20 Prozent des bisherigen Aufwands einsparen.

Finanzsituation des WDR

Angesichts des real sinkenden Etats bei nominal derzeit konstantem Beitragsaufkommen werden auch die Personalkosten gesenkt: Jede dritte durch Verrentung freiwerdende Stelle soll bis 2030 nicht neu besetzt werden. Auch Beauftragungen freier Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter werden weniger werden.

Die Veränderungsprozesse werden durch eine bedarfsgerechte Personalentwicklung so begleitet, dass Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den digitalen Wandel mit vorantreiben können. Hierzu werden entsprechende Mittel für Qualifizierungsmaßnahmen zur Verfügung gestellt.

Die Aufsichtsgremien und der Personalrat des WDR werden fortlaufend über die geplanten Veränderungen informiert und im Rahmen ihrer Zuständigkeiten beteiligt.

hfs/re/ots/dpa/tt

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