Jahrelang galt das Fuhrparkmanagement als einer der letzten Unternehmensbereiche, in dem Excel-Tabellen und Telefonanrufe den Alltag bestimmen. Das ändert sich gerade. Laut einer neuen Erhebung unter 211 Fuhrparkverantwortlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz setzen bereits 45 Prozent Künstliche Intelligenz aktiv ein, 27 Prozent erproben sie in Pilotprojekten.
Das ist das Ergebnis des Shiftmove Fleet Intelligence Reports 2026, der heute veröffentlicht wird. Die Daten zeichnen ein Bild, das dem verbreiteten Narrativ von der technikscheuen Verwaltungsbranche widerspricht: Nicht Budgetmangel und nicht Jobangst bremsen die Automatisierung. Es ist vor allem fehlendes Know-how.
Reporting, Prognosen, Anomalieerkennung: Größtes ungenutztes Potenzial
Wenn Unternehmen zögern, KI einzusetzen, dann liegt das selten am Geld. Nur sechs Prozent der befragten Fuhrparkverantwortlichen nennen das Budget als Hindernis – der mit Abstand niedrigste Wert unter allen abgefragten Faktoren. Was tatsächlich bremst, sind organisatorische Hürden: fehlendes Know-how (23 %), mangelnde interne Priorität (14 %) und Vertrauenslücken gegenüber der Technologie (12 %). Datenschutzbedenken, in der öffentlichen Debatte oft als zentrales Argument angeführt, spielen mit 13 Prozent eine deutlich kleinere Rolle als angenommen.
Differenziert man nach Betriebsgröße, wiederholt sich das Muster: Sehr große Flotten nennen den Integrationsaufwand in gewachsene IT-Systeme (25 %), mittlere Betriebe das fehlende Fachwissen (27 %), kleinere Unternehmen den unklaren Nutzen (20 %).
„Eine KI einmal auszuprobieren ist einfach. Der Unterschied entsteht, wenn sie verlässlich auf echten Fuhrparkdaten läuft und sauber in bestehende Systeme eingebunden ist. Erst dann wird aus einem Test ein Werkzeug, auf das man sich täglich verlassen kann“, sagt Felix Schmidt, Shiftmove Chief Product & Technology Officer.
Der blinde Fleck: Daten ohne Konsequenz
Eines der aufschlussreichsten Ergebnisse der Studie betrifft die Lücke zwischen dem, was Technologie heute leistet, und dem, was Verantwortliche eigentlich wollen. Beim Reporting, dem am häufigsten genannten Einsatzbereich, automatisieren bereits 43 Prozent der Befragten Teile des Prozesses. Doch 69 Prozent wünschen sich mehr. Der Grund: Was läuft, ist meist ein automatisierter Datenexport. Was gewünscht wird, ist etwas qualitativ anderes: ein System, das Zahlen deutet, Ausreißer markiert und konkrete Handlungsempfehlungen gibt.
Darin spiegelt sich eine strukturelle Schwäche vieler Digitalisierungsprojekte: Daten werden gesammelt, aber die Arbeit des Verstehens bleibt am Menschen hängen. Die Befragten wissen, was sie eigentlich wollen:
- 65 Prozent wünschen sich KI-gestützte Kosten- und Bedarfsprognosen
- 61 Prozent wollen automatische Erkennung von Anomalien und Kostentreibern
- 51 Prozent erwarten Automatisierung bei Routinekommunikation, etwa mit Fahrerinnen und Fahrern
„Fuhrparkverantwortliche brauchen keine weiteren Reports, die sie selbst mühsam deuten müssen. Sie brauchen Systeme, die Routinearbeit übernehmen, Daten in Zusammenhang bringen, Muster erkennen und konkrete Empfehlungen geben – damit mehr Zeit bleibt für Entscheidungen, bei denen menschliches Urteilsvermögen entscheidend bleibt“, sagt Schmidt.
Die rote Linie: Wo Automatisierung endet
Trotz hoher Akzeptanz gibt es eine klare Grenze. 84 Prozent der Befragten bestehen darauf, bei Kostenfreigaben und fahrerbezogenen Entscheidungen selbst das letzte Wort zu behalten. Das ist kein Misstrauen gegenüber Technologie, es ist Rechtskenntnis: In Deutschland können Fuhrparkverantwortliche und Unternehmer bei Verstößen gegen Halterpflichten persönlich haftbar gemacht werden. Wer die Freigabe aus der Hand gibt, gibt auch die Verantwortung aus der Hand. Das wissen die Befragten und sie wollen das nicht.
Bei regelbasierten Aufgaben sieht das anders aus: Compliance-Prüfungen wie Führerscheinkontrollen oder UVV-Nachweise würden nur 42 Prozent auf menschliche Kontrolle bestehen. Das Prinzip, das sich aus den Daten ergibt, ist klar: Routine gehört ins System, wichtige Entscheidungen gehören dem Menschen.
KI ersetzt nicht – sie verschiebt
In der öffentlichen Debatte um KI und Automatisierung dominiert die Frage nach dem Jobverlust. In der Praxis der Fuhrparkbranche spielt sie eine überraschend kleine Rolle: Nur vier Prozent der Befragten rechnen ernsthaft damit, durch KI ersetzt zu werden. 80 Prozent schließen das aus.
Was die große Mehrheit erwartet, ist etwas anderes: Veränderung, nicht Wegfall. Rund 90 Prozent gehen davon aus, dass sich ihre Rolle deutlich wandeln wird. Als wichtigste Zukunftskompetenzen nennen sie strategisches Denken (38 %), Datenkompetenz (22 %) und Technologieverständnis (19 %).
Besonders aufschlussreich ist ein weiterer Befund: Wer KI bereits einsetzt, vertraut ihr deutlich mehr als jene ohne Erfahrung (3,52 vs. 3,05 von 5 möglichen Punkten). Erfahrung baut Vertrauen – das gilt auch für Technologie.
Shiftmove entwickelt Fuhrparkmanagement-Software, die administrative Routine automatisiert – damit Unternehmen mehr Zeit für Kosten, Sicherheit und Nachhaltigkeit gewinnen. Europaweit nutzen 27.000 Unternehmen die Plattform zur Verwaltung von 730.000 Fahrzeugen.
hfs/re/ots/dpa/tt

