Neue Hoffnung für Migränepatienten

10 % aller Menschen leiden regelmäßig unter Migräneattacken – betroffen sind dabei ca. 3 Mal so viele Frauen wie Männer.

Im Gegensatz zu gewöhnlichen Kopfschmerzen treten die Schmerzen bei einem Migräneanfall weitaus heftiger und oft nur einseitig auf. Meist kommen zu den pochenden oder pulsierenden Schmerzen weitere Symptome hinzu wie z.B. Lichtempfindlichkeit, Übelkeit, Sehstörungen oder Missempfindungen.

Unbehandelt können die Migräne-Beschwerden zwischen vier Stunden und drei Tagen anhalten. Bisher werden in der Migränetherapie verschiedene Schmerzmittel eingesetzt, zum Beispiel Triptane (5-HT 1B/1D-Agonisten), Nichtopioidanalgetika und nicht steroidale Antirheumatika (NSAR). Zur Prophylaxe ausgeprägter Beschwerden werden die Betablocker Metoprolol und Propranolol, der Kalziumantagonist Flunarizin und die Antikonvulsiva Topiramat und Valproinsäure eingesetzt.

Ursachen bis heute nicht ganz klar

Zu den Ursachen von Migräne gibt es diverse Theorien, z.B. gelten entzündliche Vorgänge an den Hirn-Blutgefäßen im Gehirn als Auslöser. Auch Stress unregelmäßige Schlaf- oder Essenszeiten können die Wahrscheinlichkeit für einen Migräneanfall erhöhen. Andere Forscher sehen einen Zusammenhang zwischen Migräne, Ernährung und Bewegung. Daher wird Migräne-Patienten häufig geraten, ein Tagebuch zu führen, um entsprechende „Trigger“ selbst herauszufinden.

Ist Migräne vererbbar?

Einige Forscher gehen davon aus, dass Migräne genetisch bedingt ist: Migränepatienten verfügen über spezielle Genvarianten zur Regulierung der Reizübertragung, -empfindlichkeit und -verarbeitung. Diese Varianten steuern die Energieversorgung der Nervenzellen und die Regulation von Arterienwänden, wodurch Migränepatienten Reize intensiver wahrnehmen. Ein Gewöhnungseffekt tritt nicht ein, auch wenn die Reize wiederholt auftreten.

Eine Antikörper-Spritze als Vorbeugung?

Hier setzt eine neue Ursachen-Therapie an: Den Patienten werden ein Mal pro Monat spezielle Antikörper gegen Botenstoffe im Nervensystem gespritzt. Diese sollen für ein paar Wochen das Schlüsselmolekül CGRP ausschalten und damit Entzündungsstoffe aufhalten, was die Wahrscheinlichkeit für einen Migräneanfall senkt.

Das Neuropeptid CGRP gilt als wichtiger Faktor in der Migräne-Entstehung: Das Calcitonin-Gene-Related Peptide ist ein Entzündungsmediator und moduliert die Schmerzübertragung. Es wird bei einer Migräneattacke ausgeschüttet, bei Patienten mit chronischer Migräne ist sein Anteil im Blutspiegel permanent erhöht.

Im Mai 2018 wurde von der amerikanischen Zulassungsbehörde FDA nun erstmals ein Antikörper-Medikament zugelassen (Aimovig/Amgen/Erenumab), das den CGRP-Rezeptor blockiert. Weitere Antikörper-Medikamente, die sich gegen das CGRP richten bzw. dessen Rezeptor blockieren, befinden sich in der klinischen Entwicklung. Eine Zulassung von Erenumab für Europa prognostizieren Experten auf den Herbst 2018.

In Studien wirkte die Spritze bei 41 % der Patienten mit chronischer Migräne – die Anzahl ihrer Schmerztage halbierte sich. Ein weiterer Vorteil der neuen Medikamente ist, dass sie keine Nebenwirkungen im Zentralnervensystem haben.

 

 

 

 

 

 

hfs/re/medicalpress/se/tt